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Alkoholfreie Weine kaufen

Der Wein bleibt, doch alkoholfreie, und -reduzierte Getränke werden immer mehr zu spannenden Begleitern

Kolumne von Christoph Raffelt

Als Weinmensch haben ich alkoholfreien Alternativen lange skeptisch gegenübergestanden. Nicht, weil ich sie abgelehnt hätte, sondern weil sie mich nicht überzeugt haben. Ganz schlimm war es und ist es bei entalkoholisierten Weinen – doch selbst da tut sich was. Tatsache ist: Alkoholfreie oder alkoholreduzierte Getränke haben gerade ihre Stunde. Von Jahr zu Jahr werden es mehr und vor allem werden diese Getränke immer interessanter und besser. Gründe für weniger Alkoholkonsum gibt es viele und viele sind absolut nachvollziehbar. Was ich nicht so ganz verstehen kann, ist, wenn Leute auf Genuss verzichten, obwohl sie es nicht müssten. Alkohol sollte immer nur in verträglichen Mengen zu sich genommen werden, und die Mengen, die man verträgt, sind von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Zudem ist das Suchtpotenzial zweifelsohne vorhanden. Doch wenn man das, was bei Ihrem Weinhändler des Vertrauens angeboten wird, aus Gründen des Genusses zu sich nimmt, dann besteht diese Gefahr eigentlich nicht. 

Die Anfänge alkoholfreier Speisebegleitung

Es gibt jedoch potenzielle Genussmomente, wo klassischer Wein fehl am Platz ist und wo es Alternativen geben sollte. Früher mussten die, die sich bereit erklärt haben, die anderen ins Restaurant und wieder nach Hause zu fahren, Wasser trinken, einen Softdrink oder ein Clausthaler. Ich habe mich dann immer aufs Wasser beschränkt. Diese Zeiten sind glücklicherweise vorbei und einer, der einen besonderen Anteil daran hat, ist Peter van Nahmen. Peter habe ich kennengelernt, weil unsere Kinder vor rund 20 Jahren in Bonn zusammen in den Kindergarten gegangen sind. Ich habe damals angefangen, über Wein zu schreiben, und er hatte neun Jahre als Betriebswirtschaftler bei einem Weinhändler gearbeitet. Damals musste er sich entscheiden, das Leben in der Stadt mit der heimischen Familienmosterei zu tauschen und die niederrheinische Obstkelterei in Hamminkeln zu übernehmen. Was er daraus gemacht hat, kann man am Juicy Tea Riesling Verbene Jasmin miterleben. Aus einem klassischen „Saftladen“, dessen Streuobstwiesensaft am Niederrhein jeder kennt, hat er zunächst sortenreine Säfte alter Obstsorten in Bordeauxflaschen gefüllt und der Sternegastronomie angeboten. Das war der erste Schritt weg vom Wasser und dem Clausthaler hin zu einer alkoholfreien Getränkebegleitung. Weitere Schritte folgten, aber Van Nahmen hat diese Szene maßgeblich von Beginn an mitgestaltet. Seine Juicy Teas gehören für mich aktuell mit zum Besten und auch preislich Interessantesten in dieser Kategorie.

Empfehlungen für alkoholfreie und alkoholreduzierte Weine 

Obstkelterei van Nahmen Juicy Tea Riesling-Verbene-Jasmin
Nordrhein-Westfalen, Deutschland
8,95 €

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0,75 l,  11,93 €/l
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Weingut Leon Gold Lunar Herbs Traubensecco alkoholfrei
95
Württemberg, Deutschland
9,50 €

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0,75 l,  12,67 €/l
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Weingut Vi Nicola CINQUE GRADI 2025
Piemont, Italien
12,90 €

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0,75 l,  17,20 €/l
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Wenn man als Winzer nicht entalkoholisieren will

Als Winzer kann man sich heute überlegen, seine Weine mit hohem Energieaufwand technisch entalkoholisieren zu lassen oder andere Wege zu gehen. Für Leon Gold war klar, dass er als biodynamisch und so natürlich wie möglich arbeitender Winzer diesen Prozess nicht mitgehen würde. Mit Lunar Herbs hat er einen alkoholfreien Traubensecco entwickelt, der aus Bio-Traubensaft, Auszügen aus Bio-Kräutern, Bio-Zitrone und Kohlensäure erzeugt wird. Die Grundlage bildet die aromatische Sorte Muskateller mit ihren zitrischen, muskatigen und duftigen Aromen, die durch Kräuter ergänzt werden. So erinnert der Lunar Herbs an Holunderblüten, Rosmarin und Lavendel, ergänzt von Zitronen. Am Gaumen verbindet sich die Süße des Traubensaftes mit der herb-pikanten Note der heimischen Zitronen und den Kräutern zu einem sanften, feinen Getränk mit leichter Perlung, ätherischen Noten und einem straffen Zug.

Es geht auch low

Dass sich Muskateller oder Moscato, wie er im Italienischen heißt, besonders gut eignet, zeigt auch der Cinque Gradi. Dabei handelt es sich noch um einen Wein und auch um einen, der noch Alkohol besitzt. Fünf % vol. sind es und damit etwa genauso viel wie ein Bier. Die Idee dieses Getränks stammt von den drei Brüdern Nicola, Andrea und Francesco Farinetti. Sie sind Teil der Familie, die das Feinkost- und Gastronomie-Imperium Eataly gegründet hat und der auch renommierte Weingüter wie Fontanafredda und Borgogno im Piemont gehören. Auch sie haben gemerkt, dass der Trend zu leichteren Getränken geht, und was könnte dafür besser geeignet sein als der Muskateller des Piemont, bekannt durch den Moscato d’Asti? Die Trauben des Cinque Gradi stammen aus der hoch gelegenen Alta Langa und wurden früh gelesen, sodass sie bei wenig Alkohol eine spritzige Säure behalten haben. So schmeckt der Wein fast wie eine Mischung aus Muskat und Verjus mit dem typischen vollen Aroma der Trauben, dabei mit Frische und Leichtigkeit. Ein schönes Getränk für den Sommer, bei dem ich mir wünschen würde, dass es den Cinque Gradi im nächsten Jahr auch als Frizzante mit ein paar Bubbles dazu gibt.

Auch und gerade weil ich mich beruflich und quasi ganztägig mit Wein beschäftige, Aromen, Textur und Säurestrukturen liebe, bin ich mittlerweile sehr zufrieden damit, dass es immer mehr gute Getränke gibt, die auf Alkohol ganz oder weitgehend verzichten und deshalb Genussmomente bieten, die früher nur dem Wein vorbehalten waren. Der Wein bleibt, aber das andere hat genauso seinen Platz.

Christoph Raffelt schreibt seit 2007 über Wein. Seit Januar 2025 publiziert er alle zwei Wochen zusammen mit seiner Kollegin Anne Tenschert den No- und Low-Alkohol-Podcast „Zwei über Null“

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