Weingut Wieninger
„Weingut Wieninger – Wien im Glas.“
Fritz Wieninger
Fritz Wieninger
Weinbau in einer Millionenstadt – das ist schon außergewöhnlich genug. Noch bemerkenswerter ist aber, dass Wien nicht nur über eine lebendige Heurigenkultur verfügt, sondern über Weinberge und Lagen, die Weine von internationalem Format hervorbringen können. Dass diese Erkenntnis heute selbstverständlich erscheint, ist auch das Verdienst von Fritz Wieninger. Er gehört zu jener Generation von Winzern, die den Wiener Wein aus seiner lokalen Nische geführt und ihm ein neues Selbstbewusstsein gegeben haben.
Das Weingut Wieninger befindet sich in Stammersdorf im Norden der Stadt, wo die Familie seit Generationen mit Wein verbunden ist. Als junger Mann blickte Fritz Wieninger allerdings zunächst weit über Wien hinaus. Bereits mit Anfang 20 sammelte er Erfahrungen in Übersee, lernte dort moderne Kellertechnik und neue Weinstilistiken kennen und kam mit der Überzeugung zurück, dass konsequente Qualitätsarbeit der entscheidende Weg in die Zukunft sein würde. Daraus entwickelte sich ein Ansatz, der für Wien in den folgenden Jahrzehnten wegweisend werden sollte: International denken, aber die eigene Herkunft immer stärker in den Mittelpunkt rücken.
Heute bewirtschaftet Wieninger Weinberge auf beiden Seiten der Donau: am Bisamberg im Norden sowie am Nussberg westlich des Stroms. Gerade dieser Gegensatz gehört zu den großen Stärken des Weinguts. Denn obwohl die beiden Weinberge nur wenige Kilometer voneinander entfernt liegen, unterscheiden sie sich deutlich in Boden und Mikroklima. Der Bisamberg ist von leichtem, sandigem Löss und kalkreichem Untergrund geprägt. Er ist trockener, windiger und sonniger als der Nussberg und bringt häufig besonders duftige, frische und geradlinige Weine hervor. Chardonnay und Rotweinsorten fühlen sich hier ebenso wohl wie Grüner Veltliner und die Rebsorten des Gemischten Satzes.
Der Nussberg präsentiert sich ganz anders. Muschelkalk, kalkreicher Sandstein und unterschiedliche marine Ablagerungen bestimmen die Böden. Sie sind schwerer, besitzen teilweise einen höheren Tonanteil und bringen Weine hervor, die bei Wieninger oft eine ausgeprägte Mineralität, Dichte und cremige Textur mit Frische verbinden. Riesling und Grüner Veltliner finden hier ebenso hervorragende Bedingungen wie der Wiener Gemischte Satz. Lagen wie Ulm, Rosengartel und Preussen gehören heute zu den wichtigsten Weinbergen des Weinguts und zeigen, wie unterschiedlich sich selbst innerhalb des Nussbergs Herkunft interpretieren lässt.
Genau diese Idee von Herkunft ist im Laufe der Jahre immer wichtiger für Fritz Wieninger geworden. Ging es zu Beginn seiner Karriere vor allem darum, die Qualität des Wiener Weins technisch und stilistisch auf ein neues Niveau zu bringen, rückten später Böden, Mikroklima und lebendige Weinberge immer stärker in den Vordergrund. 2006 stellte er zunächst einige Hektar versuchsweise auf biodynamische Bewirtschaftung um. Die Erfahrungen überzeugten ihn so sehr, dass ab 2008 das gesamte Weingut diesen Weg einschlug. Heute bezeichnet Wieninger seine Arbeit selbst als biodynamischen, naturnahen Weinbau, bei dem Handarbeit und der respektvolle Umgang mit den Böden eine zentrale Rolle spielen.
Es passt zu Fritz Wieninger, dass er dabei nie ausschließlich das eigene Weingut im Blick hatte. Sein Name ist eng mit der Renaissance des "Wiener Gemischten Satzes" verbunden. 2006 schloss er sich mit anderen führenden Wiener Winzern zur Gruppe WienWein zusammen. Das gemeinsame Ziel bestand darin, neue Qualitätsstandards für die Region zu etablieren und eine der ältesten Wiener Weintraditionen wieder stärker ins Bewusstsein zu rücken. Der Erfolg war enorm: Der Gemischte Satz wandelte sich vom unkomplizierten Heurigenwein zu einem ernst genommenen Herkunftswein und wurde schließlich mit dem Jahrgang 2013 als "Wiener Gemischter Satz DAC" gesetzlich verankert.
Sein Prinzip ist ebenso einfach wie traditionsreich, wirkt heute aber eher ungewöhnlich. Verschiedene Rebsorten stehen gemeinsam in einem Weinberg, werden gemeinsam gelesen und gemeinsam vergoren. Es handelt sich also nicht um eine Cuvée fertig ausgebauter Weine. Je nach Weinberg können Grüner Veltliner, Riesling, Weißburgunder, Welschriesling, Neuburger, Traminer und viele weitere Sorten nebeneinander wachsen. Früh reifende Rebsorten bringen Fülle und Aromatik, später reifende Sorten Säure und Frische. Aus diesem Zusammenspiel entsteht ein Wein, dessen Komplexität bereits im Weingarten angelegt ist. Wieninger hat früh erkannt, dass sich dieses traditionelle System, das früher in ganz Europa der Standard war, hervorragend eignet, um Herkunft auszudrücken.
Dabei gibt es bei ihm längst nicht nur den einen Gemischten Satz. Die Weine folgen einer klaren Herkunftshierarchie, die vom Wiener Gebietswein über Weine vom Bisamberg und Nussberg bis zu einzelnen Rieden reicht. Besonders eindrucksvoll ist die Ried Ulm am Nussberg, deren gesamte 3,6 Hektar von Wieninger bewirtschaftet werden. Der dort entstehende Gemischte Satz hat sich zu einem der charakteristischsten Weine des Hauses entwickelt. Auch aus der Ried Rosengartel entsteht Gemischter Satz, während die Ried Preussen vor allem für Grünen Veltliner und Riesling steht. Wieninger ist zudem Mitglied der Österreichischen Traditionsweingüter und beteiligt sich damit an der Klassifikation der besten Wiener Lagen.
Doch das Weingut ist weit mehr als der Gemischte Satz. Reinsortiger Grüner Veltliner und Riesling bilden einen wichtigen Teil des Sortiments, daneben beschäftigt sich Fritz Wieninger seit Langem intensiv mit Chardonnay und Pinot Noir. Gerade diese Sorten zeigen eine weitere Seite des Betriebs: Wieninger denkt Wiener Wein nicht folkloristisch, sondern als Teil einer internationalen Weinkultur. Entscheidend bleibt dabei immer die Frage, wie sich Rebsorte und Herkunft miteinander verbinden lassen. Das heutige Sortiment reicht deshalb von unkomplizierten Gebietsweinen bis zu anspruchsvollen Lagenweinen und gereiften Rotweinen.
Heute werden die Weine des Familienbetriebs in 45 Länder exportiert. Trotzdem ist ihre wichtigste Botschaft ausgesprochen lokal geblieben. Fritz Wieninger formuliert sein Ziel selbst als die Umsetzung des Wienerischen im Wein.
© Fotos: Weingut Wieninger
Preise inkl. MwSt.